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Ursuppe
Im schicksalhaften Dezember des Jahres 2003 krimpelten sich drei Ulknudeln mit einer vierten solchen einen zusammen und warteten fürdarhin aktiv ab, was wohl passieren könnte. Irgendwann, es mag wohl kaum eine halbe Stunde gedauert haben, schrie jemand "Rock'n'Roll" und alle waren begeistert! Sie fielen sich vor Freude gegenseitig in die Arme, stimmten ihre Instrumente und übten sich in phonetisch äußerst mangelhaftem Englisch, um Lieder zu spielen, die es schon vor rund 50 Jahren gegeben hatte, nur damals in gut.





"You're addicted to us /
don't you know that we're Taxi?"
Das sollte sie aber nicht weiter stören und so begannen sie unverdrossen, Songs zu schreiben, für die sie sich zu Recht ganz arg schämten, nur um sie wieder zu verwerfen und andere Songs zu schreiben, die eines nicht ganz so ausgeprägten Schamgefühls bedurften. Nebenbei domizilierten sie sich in einem handelsüblichen Keller, nannten ihn "Proberaum" und ließen ihn zu einem Hort der Kreativität werden, wo Melodeien, Metaphern und Schimmelpilze reuelos gedeihen konnten. Weil sie aber schon bald den Lärm, der ihnen passierte, nicht mehr aushielten, machten sie sich daran, zum Proben bisweilen auf so diese und jene Bühne auszuweichen. Ein unbedeutender Lokalreporter soll bei einer dieser Gelegenheiten über sie geschrieben haben: "[...] Ihre Auftritte spielen sie tapfer bis zum Ende, was ich persönlich sowohl sehr mutig, als auch sehr leichtsinnig von ihnen finde. Ihren Namen habe ich mir nicht merken können. [...]" Der Name zu dieser Zeit lautete "TAXI" und ist dem Tex Avery Cartoon "Red Hot Riding Hood" entnommen, wo sich der Wolf ein Taxi nehmen will um Rotkäppchen zu verfolgen, welches aber.... ach, das ist ungeheuer kompliziert! Der Zusammenhang entspricht zwar nur bedingt der Wahrheit, der Cartoon ist aber äußerst lohnenswert anzuschauen!





Größenwahn I: Das erste Debütalbum
Um ihren ganzen jugendlichen Wagemut auf die Spitze zu treiben, ersonnen sie den kühnen Plan, ein Album, von oben bis unten voll mit Musik und übrigens deutschen Texten, aufzunehmen. Da zu diesem Zeitpunkt noch ein gewisser Mangel an Songs bestand, alles Nötige für eine Homerecordingsession aber schon besorgt war, griffen sie auch auf die zunächst beschämt beiseite gelegten Songversuche zurück und ließen das "anhalter" getaufte Werk schließlich in einem Flötensolo gipfeln, das Musikgeschichte geschrieben hat.





Größenwahn II: Das zweite Debütalbum
Nachdem sie zu Recherchezwecken sehr intensiv und ausdauernd Alben von berühmten, aber schlechten Bänds gehört hatten, kamen sie darin überein, ihr Machwerk auch ohne schlechtes Gewissen verkaufen zu können, was sie mit großem Elan taten, prompt knapp 150 Stück absetzten, den Rest verschenkten und dann keine Lust mehr hatten, nachzuproduzieren. Davon beschwingt setzten sie ihre Arbeit fort und strebten nun komplexere Stücke an, die sich interessanterweise ab und zu ein wenig nach Art-Punk anhörten. Bis zum Sommer 2006 vollbrachten sie noch ein paar Auftritte, die ich jetzt getrost unter der Kategorie "lehrreich" laufen lasse, benannten sich in "Tonträger" um und nahmen ein zweites Album namens "alternativ" auf. Dieser über 1-stündige Schinken war voll mit Aufnahmen, die sich nie im Leben live reproduzieren ließen, aber in Sachen Stilvielfalt und Kompromisslosigkeit so diesen und jenen leider unbedeutenden Preis gewannen.





Times of Change
Hierfürdernun machte ihnen vor allem die Live-Untauglichkeit schwer zu schaffen. Unzählige Aufnahmespuren, hier noch eine Gitarrenstimme, da noch eine Orgel, weil doch das Klavier, die Posaunenchöre, das Streichorchester, die 25 Schlagzeugspuren und die drei Bassstimmen (die Oktavierungen nach unten nicht mitgerechnet) sonst so verloren wirken würden - die Problematik, wenn man damit eine fetzige Rock'n'Roll-Kappelle werden will, liegt auf der Hand. Gut, ich übertreibe, aber etwas sollte sich ändern, was mit den folgenden überraschenden Grundsätzen dann auch geschah: Vier Leute, das heißt, vier Instrumente und vier Gesangsstimmen. Mehr nicht. Zwei Frontsänger. Unter uns, das haben sie sich von Mando Diao abgeguckt, aber wer kann heutzutage schon das Rad neuerfinden? Wer diese hart umworbenen Posten letztendlich einnehmen sollte wurde in ein paar Partien Kutscherrommé erspielt und seitdem nicht mehr verändert. Als letzter und wichtigster Punkt stand aber: Raus aus der Schule! Die Clubs von Berlin sollten gekapert, zermalmt und beohrenschmaust werden - auch dieses Ziel ward erreicht, mit Hilfe des Newcomerportals "Berlin Newcomerbands" (BNB) und dem Bändwettbewerb Emergenza.





Ruhm I: Das dritte Debütalbum
In diesem Jahr (wobei sich aus Gründen die Gewohnheit eingeschlichen hat, das Jahr von Sommerpause zu Sommerpause zu rechnen) stapelten sich die ersten Erfolge. Da das Musikbusiness aber ein verdammt hartes Pflaster ist, Pokale nicht so leichtfertig wie im Jugendfußball selbst noch an die achten Sieger vergeben werden und einem auch sonst nichts geschenkt wird, reichte es noch nicht ganz zum Durchbruch. Immerhin kamen sie ins Berlin-Finale von Emergenza, wo sie einen vollen Postbahnhof beschallen durften und dort einen respektablen 2. Platz ergatterten (siehe "Videos"), sie veröffentlichten ihr Debütalbum "Kabelsalat" (welches ihre bisherigen Veröffentlichungen in die Kategorie "Musikalische Frühwerke" verdrängte), von dem - und an dieser Stelle sei es ja wohl mal gestattet zu prahlen - schon am Erscheinungstag die Erstauflage ausverkauft war. Außerdem entdeckten Sie MySpace für sich und waren - und sind! - seit dem berühmt berüchtigt für die längsten und verschwurbelsten Kommentare, die Fäns überhaupt je von irgendeiner Bänd erhalten.




(Die hier zur Schau getragenen Pokale wurden, nachdem die Bänd durch Entdeckung dieser Möglichkeit bereits desillusioniert worden war, in einem entsprechenden Geschäft extra gekauft und tragen als Aufschrift hauptsächlich Beamtenbeleidigungen und moralisch fragwürdige Reime.)


Aktives Radio
Das folgende Jahr hatte zwar gelegentlich unter verschiedenen abituriellen Belastungen zu leiden, schaffte es aber mit verschiedenen Mitteln nochmals eine Emotionaliät zu erreichen, wie sie einem sonst nur im Fernsehen vorgegaukelt wird. Da waren Radios, die irgendwie anriefen und frohe Kunde, Bekanntheit, Interviews und Airplay brachten, einen erneuten zweiten Platz im Emergenza-Finale (trotz der mal wieder meisten Zuschauerstimmen) und Highlights wie die 4. Fritz Nacht der Talente, wo man sie so ebenfalls wie immerhin auf Platz 2 johlte. Schließlich wäre da noch mit Rock im Grünen ihr erstes waschechtes Open Air-Konzert zu nennen, welches eine glorreiche, leider bisher noch nicht fortgesetzte, Tradition einleitete.




Alles für die Bänd
Die lästige Schule abgeschüttelt, sowie erquickt von einer gewissen Sommerpause, stoben sie ungestüm voran, ihren Traum zu leben. Die Zusammenarbeit mit einem Produzenten begann und verhieß Großes für die kommende Zeit - für die Bänd zunächst aber auch: Viel üben, an der Bänd und an Songs arbeiten, durchaus auch abseits der Öffentlichkeit. Da das geplante, richtige Album aber (zu ihrem Unbehagen) etwas weiter in die Zukunft geschoben wurde, ersann man kurzerhand die Idee, Onlinekonzerte aus dem Proberaum in alle Welt zu übertragen, was promt so gut ankam, dass sich die Berliner Philharmoniker dazu entschlossen, das Konzept abzukupfern.
Nach verschiedenen Experimenten mit den mannigfaltigen Möglichkeiten einer Videokamera zogen sie sich für geraume Zeit aus der Internetaktivität zurück, um mehr und intensiver denn je an Songs, Fähigkeiten und der Bänd an sich zu arbeiten - im stärker werdenden Zwiespalt zwischen "es dem Produzenten recht machen" und "das tun, was sie für richtig halten". In die Tüte gequatscht könnte man Stichworte wie "Missverständnisse", "unterschiedliche Arbeitsweisen", "mangelnde Kompromissbereitschaft auf so dieser und jener Seite" in die Runde werfen, Uneinigkeiten, die die Bänd daran hinderten, weiterzukommen - am Ende entschließt man sich jedenfalls zu einer glücklicherweise friedlichen Trennung. "So ist das Leben!" sagt da eine Person aus dem Off und kriegt umgehend eins auf die Schnüss, altkluge Phrasen können sie nämlich gar nicht leiden.




Ruhm II: Das vierte Debütalbum
Sollte man das jetzt einen Rückschlag nennen? Für Produktivität, Einsatzbereitschaft und Arbeitswut schon mal nicht, im Gegenteil, eine gesunde "jetzt erst recht"-Atmosphäre machte sich breit und gebar kühne Pläne. Zum Beispiel: Ein Album veröffentlichen, am 11. Juli in der WABE! Vom Produzenten immer weiter hinausgezögerte Schritte wurden und werden im Eiltempo nachgeholt, denn mehr noch als allen wartenden Fäns zusammen brennt es ihnen unter den Nägeln: Diese Songs sollen endlich veröffentlicht werden! Für die Bänd, für die Fäns, für den Auftritt nächstes Jahr in der Waldbühne!




(Die Hauptprotagonisten sind auf die Entfernung schwer zu erkennen. Damit sie nicht für Bühnenaccessoires gehalten werden, wurden sie mit einem ansprechenden Rot gekennzeichnet.)



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